Trauernde Kinder und Jugendliche

Unser Augenmerk gilt immer wieder Kindern und Jugendlichen im Kreis der Hinterbliebenen. Ob als Geschwister, Kinder, Enkelkinder oder als Bekannte des Verstorbenen. Eine unser ersten Fragen in Gesprächen mit Hinterbliebenen wird immer sein: Gab es Kinder und Jugendliche, denen der Verstorbene nah stand oder denen er besonders wichtig war? Denn Kinder und Jugendliche trifft der Verlust im doppelten Sinne: Nicht nur die eigene Trauer, sondern auch die Gefühle und Unsicherheiten der Erwachsenen, lasten auf Ihnen.

Aus unser Praxiserfahrung werden wir immer dazu raten Kinder in einem angemessenen Rahmen in die Abschiednahme zu involvieren.

Gemeinsam mit dem Berliner Kinderpsychologen Andrej Czupil und dem erfahrenen Kindererzieher Frank Fichna haben wir einen kurzen Leitfaden für den Umgang mit Kindern in Trauersituation erarbeitet. Beide betreuen bei uns Kinder im Rahmen von Abschiednahmen und Kindertrauergruppen und sind gern als langfristige Ansprechpartner für Kinder, wie auch Erwachsene da.


Umgang mit trauernden Kindern:

(1) Kinder haben ein Recht (altersgerecht) die Wahrheit zu erfahren, auch wenn es sich um etwas trauriges, wie den Tod handelt. Es gehört Mut dazu sich als Erwachsener Ihren Fragen zu stellen. Aber mit Ehrlichkeit, auch über die eigene Traurigkeit, bekommt das Kind ein Gefühl von Zusammenhalt, den es in Zeiten von Veränderungen im familiären Umfeld dringend braucht.

(2) Kinder wissen oft mehr über den Tod, als wir Erwachsenen annehmen, dennoch müssen sie Sachen im wahrsten Sinne des Wortes be-greifen. Erwarten sie keine erwachsene Reaktion. Kinder trauern anders, direkter und für Erwachsene oft unverständlich schwankend. Sie können wütend sein, dann lachen und im nächsten Moment weinen sie wieder.

(3) Alle Erwachsenen im Umfeld sollten klare Worte benutzen. Keine Beschönigungen oder abstrakte Begriffe. So hart es klingen mag: "Opa lebt nicht mehr, aber er hat ein schönes Leben gehabt", ist besser als "Opa ist für immer eingeschlafen". So werden Irritationen und Missverständnisse vermieden.

(4) Das Kind sollte immer selber entscheiden, was es im Rahmen des Abschiedes und der Bestattung mitmachen und sehen möchte. Sprechen sie mit uns über eine altersgerechte Einbindung. Auf Kinder zugeschnittene Rituale oder die Betreuung durch unsere Erzieher im Rahmen unserer Trauergruppe helfen dem Kind einen guten Weg für sich zu finden. In den Gruppen gibt es kindgerechte Antworten auf viele Fragen:

  • Was ist ein Sarg/eine Urne?
  • Wie passt der Verstorbene in die Urne?
  • Wo ist der Verstorbene jetzt und wer kümmert sich um Ihn?
  • Wie kann ich (dem Verstorbenen) noch was Liebes mitgeben?

Durch den Kontakt mit anderen Kindern, die ebenfalls jemanden verloren haben wird ihnen auch gezeigt, dass sie nicht die Einzigen sind, denen so etwas trauriges passiert. Und der wichtige Effekt für die Erwachsenen: sie wissen ihre Kinder in professioneller Obhut und erhalten dadurch selbst mehr Raum für ihre Trauer.

Natürlich ist es verständlich, dass der sichere Umgang mit Kindern trauernden Erwachsenen besonders schwer fällt.

Wenn Sie fragen haben, melden Sie sich jederzeit, wir geben Ihnen auch gerne Literaturhinweise. Selbst wenn der Tod einer emotional wichtigen Bezugsperson im Raum steht können Sie uns gerne ansprechen. Wir haben Ihnen als kleine Übersicht zusammengestellt, was Kinder in welchem Alter verstehen und wie ihre Trauer aussehen kann: Download Alterstypische Reaktion von Kindern.